Sozialcourage - Editorial

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Paderborn
Editorial
Caritas-Mitarbeiter als Lebensretter
Senioren helfen Senioren
Chamäleon in Not
Pionierarbeit
Heimbewohner erklären Gesetz
JOSEFS: Menschen mit Behinderung brauen Bier unter neuem Markennamen

Liebe Leserin, lieber Leser

im Vorfeld der diesjährigen Landtagswahl in Nordrhein- Westfalen hatte die Caritas zu einem politischen Frühjahrsfest in den Dortmunder Westfalenpark eingeladen. Es war ein buntes Fest bei schönstem Frühlingswetter mit rund 300 Haupt- und Ehrenamtlichen aus allen Diözesen des Landes. Die eingeladenen Politikern und Landtagskandidaten erfuhren in lockeren Präsentationen, wo den Menschen der Schuh drückt. Zu den eindrucksvollsten Impulsen zählte dabei ein Theaterstück mit jungen Flüchtlingen aus Köln. Alle jungen Schauspieler leben nur mit Duldung hier, müssen jederzeit mit der Abschiebung rechnen. Wie man in einer solchen Lebenslage die Kraft und Konzentration aufbringt, Schillers "Die Räuber" auf die Bühne zu bringen, fand ich wirklich bemerkenswert.

Die jungen Schauspieler glänzten in perfekter Beherrschung der Theatersprache, boten eine moderne, nachdenklich stimmende Version des Klassikers. Ein Hauptdarsteller, ein junger Roma, kennt seine Heimat, das frühere Jugoslawien, praktisch nicht. Als er vier Monate alt war, ist seine Familie geflohen. Jetzt droht ihm die Abschiebung nach Montenegro, wo es keine Wohnung, keine Arbeit, keine Perspektive gibt. Das mag nach dem Gesetz in Ordnung sein, human ist es nicht, schon gar nicht christlich. In der Kirche Jesu Christi gibt es bekanntlich keine Ausländer, sondern nur Kinder Gottes. Sind wir mit dieser Orientierung schon Traumtänzer? Oder ergibt sich daraus ein konkreter Auftrag, für Menschen einzustehen, deren Lebensentfaltung bedroht wird?


Inzwischen gibt es in Deutschland die erste türkisch stämmige Landesministerin. Die Vereidigung von Aygül Özkan hatte trotz mancher Irritationen im Vorfeld etwas Epochales für unsere Gesellschaft. Für manche Kommentatoren bricht damit der erste Stein aus der Mauer, die bisher die alteingesessene von der eingewanderten Gesellschaft trennt. Integration wurde bislang einseitig den Einwanderern als Aufgabe zugewiesen. Jetzt wird langsam deutlich, dass sich beide Seiten entlang dieser imaginären Grenze bewegen müssen -Einwanderer und Alteingesessene, Das mag für beide Seiten anstrengend sein, weil es mit Mühe verbunden ist- und sei es nur mit der Bereitschaft, fremde Kulturen kennen zu lernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Die Caritas leistet hier seit vielen Jahren Pionierarbeit. Mehr denn je können wir heute sagen: Dieser Einsatz hat sich gelohnt!

Ihr

Josef Lüttig,

Diözesan-Caritasdirektor