Sozialcourage - Wenn die 103-Jährige mit der Dreijährigen das Tanzbein schwingt

www.sozialcourage.caritas.de
Regensburg
Editorial
Wenn die 103-Jährige mit der Dreijährigen das Tanzbein schwingt
In beschützter Umgebung frei bewegen
Ein Maibaum auf Rädern / Mit Rollator auf Maibaumklau (?)
Menschen bleiben in der Pflege

Wenn die 103- Jährige mit der Dreijährigen das Tanzbein schwingt

Generationenübergreifendes Projekt im Regensburger Caritas- Altenheim Friedheim

Alt und jung miteinander, selbstverständlich und ohne Berührungsängste, wird dies im Caritas Alten- und Pflegeheim Friedheim Regensburg und dem benachbarten Städtischen Kindergarten Hedwigstraße gepflegt.
Alt und jung miteinander, selbstverständlich und ohne Berührungsängste, wird dies im Caritas Alten- und Pflegeheim Friedheim Regensburg und dem benachbarten Städtischen Kindergarten Hedwigstraße gepflegt.
Foto: Tanja Rexhepaj

Ein ganzes Jahrhundert liegt zwischen ihnen, doch es trennt sie nicht: Auf dem Faschingsfest im Kindergarten halten sie sich an den Händen und drehen ein paar Runden im Kreis- die 103- Jährige aus dem Caritas- Alten- und Pflegeheim Friedheim und die Dreijährige aus dem Städtischen Kindergarten an der Hedwigstraße. Auch heute wieder trifft sich Elisabeth Kosterka, die in diesem Jahr bereits ihren 103. Geburtstag feierte, mit den Kindergartenkindern von gegenüber. Heim und Kindergarten liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, doch das, was sie seit gut vier Jahren verbindet, scheint zunächst nicht allzu nahe liegend: Jeden zweiten Mittwoch geht etwa ein Dutzend Kinder zum Frühstücken ins Altenheim.

An diesem Morgen sitzen Vincent und Anna-Lena bei Elisabeth Kosterka am Tisch. "Wenn ich den nächsten Geburtstag rum habe, komme ich in die Schule", erzählt Anna- Lena. Der jüngere Vincent behauptet: "Ich komme auch bald in die Schule." Elisabeth Kosterka lächelt und nickt: "Ja, ja", sagt sie. Die Seniorin genießt das Beisammensein mit den Kindern. "Ich habe irgendwas an mir, das die Kinder mögen", hat sie beobachtet. Sie selbst hätte sich von ganzem Herzen ein eigenes Kind gewünscht, doch ihr Leben verlief anders. Umso schöner sind für sie die regelmäßigen Zusammenkünfte mit den Kleinen.

Begonnen haben diese mit einem gemeinsamen Martinszug. Die Begegnung zwischen Jung und Alt verlief so harmonisch, dass Kindergarten- Leiterin Doris Hiltl und Heimleiter Albert Pöllinger nach weiteren Kontaktmöglichkeiten suchten. "Ich wollte eine Dauerlösung", sagt Doris Hiltl. "Nicht nur ein Treffen einmal im Jahr; da, finde ich, würden die Senioren irgendwie ausgenutzt." So entstand das gemeinsame Frühstück.

"Am Anfang waren die Kinder schon vorsichtig. Sie mussten sich erst an die alten Menschen herantasten", sagt Doris Hiltl. Nach den Treffen wurde immer besprochen, was für die Kinder schön war und wovor sie vielleicht Angst hatten. "Inzwischen ist es für sie normal. Es kommt mit, wer gerade Lust dazu hat.", sagt Hiltl. Egal, ob Sommer­fest oder Nikolausfeier. Im Gegenzug besuchen die Senioren viele Ver­an­staltungen der Kita. "So können auch wir den Senioren ein paar &sbquoHighlights&lsquo bieten", sagt Hiltl.

Das neueste Highlight hatte kürzlich Premiere. Sechs Musiker des Philharmonischen Orchesters Regensburg spielten im Frühstückssaal Mozarts "Kleine Nachtmusik". Und nicht nur das: Sie erklärten mit viel Humor und großem Können ihre Instrumente. Begleitet von den gütigen Blicken von Elisabeth Kosterka, traut sich Anna- Lena sogar, als Dirigentin den Taktstock zu schwingen. So mancher Heim­bewohner dirigiert mit oder klatscht in die Hände. Am Ende steht für Doris Hiltl und Albert Pöllinger fest: Die Philharmonie- Musiker sollen öfter kommen, um für die Kinder und Senioren gemeinsam aufzuspielen. Denn was ist nahe liegender, als eine Brücke zu bauen zwischen Kindern und alten Menschen?!

Tanja Rexhepaj


Info

Seit mittlerweile vier Jahren pflegen Kindergarten und Altenheim eine abwechslungsreiche und für alle erfrischenden Beziehung.

170 Bewohnerinnen und Bewohner haben im Alten- und Pflegeheim Friedheim im Regensburger Stadtwesten ein Zuhause. Das Heim ist ein offenes Haus, in ihm sind Bewegung und Leben. Besuch ist immer herzlich willkommen. Verschiedene Veranstaltungen, Feste und Ausflüge fördern die sozialen Kontakte und das Zusammensein. Angehörige und Freunde sind immer herzlich eingeladen. In diesem Sinne ist das Friedheim schon immer ein "Mehrgenerationenhaus".

Weitere Infos: Telefon 09 41/2 97 28-0,
www.caritas-altenheim-friedheim.de