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KIMM- Kindern Mut machen
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In Deutschland leben 500000 Kinder mit psychisch kranken Eltern. Die wenigsten erhalten die Hilfe, die sie brauchen.
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Was ist los mit Sabrina?
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"Sabrina ist so anders geworden!" Mit diesen Worten beschreibt die Mutter ihre Tochter. Frau Baum leidet unter einer paranoiden
Psychose. Sie hört Stimmen, die sie im häuslichen Umfeld "abhören" und ihr Befehle erteilen. Die neunjährige Sabrina hat sich
tatsächlich verändert, so sieht es auch die Lehrerin. Sie sei ruhiger geworden und zeige sich im Unterricht oft abwesend.
In fast jedem Unterrichtsfach ist es zu einer deutlichen Notenverschlechterung gekommen. Sabrinas Lehrerin war es, die den
Eltern einen Projektflyer überreichte und eine Kontaktaufnahme mit KIMM- Kindern-Mut-Machen- empfohlen hat.
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KIMM ist ein Präventionsprojekt des Caritasverbandes für die Stadt Köln. Es ist angegliedert an die Erziehungs- und Familienberatungsstelle
in Köln-Porz. Sabrina ist eines von etwa 500000 Kindern in Deutschland, die einen psychisch kranken Elternteil haben. Diese
Erkrankungen führen nicht selten zu einer schweren Beeinträchtigung des familiären Zusammenlebens. Die betroffenen Kinder
sind starken seelischen Belastungen ausgesetzt. Hält dieser Zustand länger an und fehlen haltgebende Strukturen, so ist das
Risiko, später selbst zu erkranken, deutlich erhöht.
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Wenn alles zu viel wird
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Halt fehlt auch Sabrina. Keiner der Erwachsenen aus ihrem näheren Umfeld spricht offen mit ihr über die Diagnose "Psychose".
Sie erlebt nur eine Mutter, die "Stimmen hört" und sich von ihren Nachbarn belauscht fühlt, und einen Vater, der seine Tochter
permanent ermahnt, Rücksicht auf die kranke Mutter zu nehmen. Zu Hause fühlt sie sich nicht mehr wohl, weil alles so anders
ist und keiner mehr für Ordnung sorgt. Jeden Morgen spürt Sabrina einen enormen Druck, den Tag &bdquoirgendwie&ldquo zu meistern.
Sie muss sich nicht nur um sich selbst kümmern.
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Da der Vater schon früh das Haus verlässt, hat sie die Aufgabe übernommen, auch ihre vierjährige Schwester zu versorgen. Sabrina
achtet darauf, dass die Schwester sich wäscht und anzieht, sie bereitet das Frühstück für alle und bringt schließlich ihre
Schwester noch vor der Schule in den Kindergarten. Ein großes Arbeitspensum für eine Neunjährige, die dann auch noch dafür
sorgen muss, selbst pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Die erkrankten Elternteile sind vielfach nicht in der Lage, das
notwendige Interesse ihrem Kind gegenüber aufzubringen und emotional präsent zu sein. Ungewollt setzen sie das Kind durch
ihre misstrauische und vorwurfsvolle Haltung zunehmend unter Druck.
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Es fragt sich, ob es an ihm liegt, dass die Mutter so "komisch" geworden ist, vielleicht weil es eine schlechte Arbeit geschrieben
oder sich mit der Schwester gestritten hat? Viele Fragen bleiben unbeantwortet, weil das Kind sich nach mehreren zaghaften
Versuchen der Klärung mit den Eltern nicht mehr traut, seine Fragen zu stellen. Es entstehen Fantasien über die Erkrankung,
die oft viel schlimmer sind als die Realität und die noch mehr Angst auslösen, als es der Situation angemessen wäre.
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Das Kind kann die Verwirrung und Anspannung weder in der Familie noch außerhalb zum Ausdruck bringen, weil die Eltern signalisieren,
dass man "darüber" nicht sprechen sollte. Ihre Unsicherheit und der Versuch, das Kind vor Ausgrenzung und Beschämung zu schützen,
verstärken seine innere Isolation. Auch Sabrinas Eltern fällt es sehr schwer, über die psychische Krankheit der Mutter zu
sprechen. Zu groß sind Angst- und Schamgefühle. Nur durch das vertraute Verhältnis zur Lehrerin schaffen sie es, bei den Mitarbeiterinnen
von KIMM für sich und ihre Familie Hilfe zu holen.
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Zu wenig Unterstützung
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Betrachtet man die Zahlen, dass bis zu zehn Prozent aller Deutschen vorübergehend oder dauerhaft an einer psychiatrischen
Erkrankung leiden, wird deutlich, dass der Bedarf für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sehr groß ist. 20 Prozent der
Eltern hatten selbst Eltern, die psychisch erkrankt waren. KIMM möchte dazu beitragen, das Thema aus der Tabuisierung und
Sprachlosigkeit herauszuführen. In der Startphase des Projektes wurde der Schwerpunkt auf die Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung
mit anderen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Kinderärzten, Jugendämtern, Psychiatern und Kliniken gelegt.
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| Wenn sich Kinder Sorgen um ihre Eltern machen, sind kreative Wege erforderlich, um Vertrauen zu gewinnen. |
| Foto: Caritas |
In den seltensten Fällen schaffen es die betroffenen Eltern allein, für ihre Kinder Hilfe zu suchen. Die Kinder fallen in
der akuten Erkrankungsphase oft durch das Hilfenetz. Der erkrankte Elternteil hat seinen behandelnden Psychiater, der Partner
kann sich einer Angehörigen- Selbsthilfegruppe anschließen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden die Kinder in diesen Familien,
ihre Not und ihre Gefährdung noch ungenügend zur Kenntnis genommen.
Dies gilt leider auch vielfach noch für die Institutionen der Erziehung und Bildung. Eine erste Aufgabe beim Projektaufbau
war deswegen, die oben genannten Berufsgruppen für die Thematik zu sensibilisieren. Bei ihnen zeigte sich eine große Unsicherheit,
wie mit den betroffenen Familien umgegangen werden soll. Die Mitarbeiterinnen von KIMM sind in ihrer Arbeit aber auf die Mithilfe
anderer Professionen, die Bezugspersonen im Leben der Kinder, angewiesen, zu denen die Eltern bereits ein Vertrauensverhältnis
aufgebaut haben.
Die Eltern sind sehr erleichtert, wenn sie hören, dass die Mitarbeiterinnen des Projektes unter Schweigepflicht stehen. Selbstverständlich
wird ohne Absprache mit den Beteiligten kein Kontakt zum Jugendamt aufgenommen. Nach anfänglicher Skepsis lassen sich die
Eltern in der Regel auf das Hilfsangebot ein. Immer wieder stoßen die KIMM-Beraterinnen auf eine große Angst bei den Eltern,
ihre Kinder könnten ihnen in dieser schwierigen Situation vom Jugendamt "weggenommen" werden. Mit Einverständnis der Eltern
kann natürlich auch bei Bedarf eine weitergehende erzieherische Hilfe in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt vermittelt werden.
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KIMM lädt ein
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Die Probleme in Sabrinas Familie sind vielfältig. Das Mädchen erlebt zuerst ein Gefühl der Verunsicherung aufgrund des veränderten
Verhaltens der Eltern, die ihm für vieles keine Erklärung geben können, weil sie selbst zu sehr mit sich beschäftigt sind.
Es herrscht Sprachlosigkeit in der Familie. Sabrina drückt ihre Ratlosigkeit mit dem Rückzug aus der Klassengemeinschaft aus.
Zum Glück hat sie eine aufmerksame Lehrerin, die ihr verändertes Verhalten bemerkt. Denn die ruhigen, schüchternen Kinder
fallen im Klassenverband weniger auf als die lauten, aggressiven, die schnell auch einer Lehrerin zu viel werden können.
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Nach den ersten Gesprächen mit den Eltern möchte die KIMM- Mitarbeiterin nun auch Sabrina kennenlernen. Die Heilpädagogin
erlebt das Mädchen bei den ersten Treffen in der Beratungsstelle ähnlich wie die Lehrerin: ein kleines zierliches Mädchen,
das sich im Bild als kleine Maus in der Familie darstellt, die kaum zu sehen ist. Die Mutter ist als Löwe gezeichnet, der
sein Maul aufreißt. Der Vater wird als Fisch, der fast aus dem Bild herausschwimmt, dargestellt. Die Schwester ist eine noch
kleinere Maus. Das Bild gibt die Situation in der Familie wieder: Der Vater wird von Sabrina als oft nicht existent erlebt.
Er steht massiv unter Druck, für den Lebensunterhalt zu sorgen. Die Mutter brüllt zum Teil sehr laut, ist unkontrolliert.
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Eine Psychose ist häufig geprägt von aggressivem Verhalten. Das Kind ist irritiert durch den Wechsel extremer Verhaltensweisen:
Es gibt Zeiten großer Nähe, mit der versucht wird, die Zeiten der Kälte und Ablehnung wieder gutzumachen. Ein Gefühl der Irritation
bleibt beim Kind zurück. Auch in den Beziehungen zum Freundeskreis tritt eine Veränderung ein. Das Kind schämt sich vor den
Freunden dafür, dass die Mutter sich so merkwürdig verhält und die Wohnung unaufgeräumt ist. Die Folge ist eine zunehmende
Isolierung vom Freundeskreis. Hinzu kommt noch, dass andere Kinder nicht wissen dürfen, was in der Familie los ist, die psychische
Erkrankung darf nicht nach außen dringen.
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Sprechen und Verstehen
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Sabrina fällt es zu Beginn schwer, davon zu erzählen, wie unwohl sie sich zeitweise fühlt, dass sie ihre Mama hasst und doch
so sehr liebt. Im Laufe der wöchentlichen Treffen mit der Heilpädagogin schafft sie es, ihrer Angst eine Form zu geben: Auf
eine Tapetenrolle malt sie eine große dunkle Figur, die ihr besonders in der Nacht große Angst macht. Es ist nun das erste
Mal, dass sie offener über die Dinge sprechen kann, die sie beschäftigen.
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In regelmäßigen begleitenden Gesprächen können die Eltern zunehmend die familiäre Situation aus der Perspektive ihrer Tochter
sehen. Wie groß die Angst um die Mama ist, dass sie an der Psychose sterben wird, wie sehr Sabrina ihren Papa vermisst, der
viel Zeit im Beruf und in der Klinik verbringt. Sabrina wird im Handballverein angemeldet, in dem sie neue Freundschaften
schließt. Nach einer langen Zeit des Rückzugs, der Angst um ihre Mutter und eines enorm hohen Verantwortungsgefühls für sich
und andere kann sie mit gestärktem Selbstwertgefühl und mit neuen Freunden wieder ein Stück Unbeschwertheit erleben.
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Kerstin Liebing, Dipl.-Heilpädagogin Andrea Domke, Dipl.-Psychologin
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Modellprojekt
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Caritas und Diakonie gemeinsam
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Die Aktion Lichtblicke für Kinder in Not in Nordrhein-Westfalen finanziert "KIMM".
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Lichtblicke ist eine gemeinsame Aktion der NRW- Lokalradios zusammen mit Caritas und Diakonie. Lichtblicke stellt eine Weiterführung
des Modellprojektes, das zunächst von der Stiftung Wohlfahrtspflege in NRW ermöglicht wurde, sicher. Weitere Informationen
gibt es in der Veröffentlichung: "Ideen stark machen- Benachteiligung nicht hinnehmen"- Ideen aus der Stiftung Wohlfahrtspflege,
Dezember 2008, und unter www.lichtblicke.de
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Kontakt: Für Eltern, Jugendliche und Kinder, Rathausstraße 8, 51143 Köln, Tel. 02203/5500-1, Fax: 02203/592402, E-Mail: kimm@caritas-koeln.de, www.kimm-porz.de
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