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| Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann |
Perspektive geben
Die Zeit läuft ab. Wird sie nicht genutzt, wird die Verzweiflung zehntausender Menschen in Deutschland größer als zuvor sein. Zum Jahresende laufen die befristeten Aufenthaltserlaubnisse im Rahmen der 2007 beschlossenen Bleiberechtsregelung ab. Die
alte Bundesregierung hat die Augen vor der Realität verschlossen und in Kauf genommen, dass ihre eigenen Beschlüsse ins Leere
laufen. Jetzt muss die neue Koalition Größe zeigen und sofort die Fristen verlängern oder eine Nachfolgeregelung finden. Der damals mühsam ausgehandelte Kompromiss hat zu hohe Hürden aufgebaut. Nachdem sie über Jahre faktisch mit einem Arbeitsverbot
belegt waren, sollten die geduldeten Flüchtlinge innerhalb weniger Monate so gut bezahlte Stellen finden, dass ihre Familien
unabhängig von Sozialleistungen werden. Das ist bei den heute üblichen Löhnen selbst für einen deutschen Facharbeiter kaum
möglich, wenn er mehrere Kinder hat. Trotzdem hätten es mit viel Fleiß aller Familienmitglieder einige schaffen können. Wenn nicht im Herbst 2008 die Finanz- und
Wirtschaftskrise übers Land gekommen und die Hoffnung auf Jobs zerstört hätte. Jetzt sind es nur sehr wenige, die die geforderten
Kriterien erfüllen können. Das Ziel, die Kettenduldung langjährig in Deutschland lebender Flüchtlinge, rückt damit wieder in weite Ferne. Stattdessen
drohen wieder in größerem Umfang Abschiebungen von Familien, die häufig seit zehn und mehr Jahren in Deutschland leben. Ihre
Kinder sind hier aufgewachsen, zur Schule gegangen, haben deutsche Freunde gefunden. Integration wird von diesen Menschen mit Migrationshintergrund gefordert. Nichts würden sie lieber tun, um endlich ein Leben
frei von Angst und Abhängigkeit führen zu können. Wir müssen ihnen eine Perspektive geben. Jetzt.
Heinz-Josef Kessmann Diözesancaritasdirektor
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