Sozialcourage - Das Magazin für soziales Handeln - Editorial

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Ein Menschenrecht jenseits aller politischen Positionen

"24 Stunden Lesemarathon" steht an der Vorderseite des kleinen Zelts. Autofahrer, die an der Ampel warten, schauen herüber, Passanten bleiben stehen. Doch man muss schon nah herantreten, um verstehen zu können, was da gelesen wird.

Anlässlich des Tags des Flüchtlings am 29. September 2006 hatten die evangelische und katholische Kirche, Caritas und Diakonie in Niedersachsen sowie das Ökumenische Netzwerk "Asyl in der Kirche" einen Lesemarathon organisiert. Er stand mitten in Hannover, an der Bannmeile vor dem niedersächsischen Landtag.

Gelesen wurden Erfahrungsberichte von Flüchtlingen von der Zeit des Prager Frühlings bis heute. Unter den mitwirkenden Vorleserinnen und Vorlesern, jeweils für eine Stunde, waren Politiker aller im Landtag vertretenen Fraktionen, Vertreter von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden, Engagierte in der Flüchtlingsarbeit und Betroffene. Die Lesung ging die ganze Nacht hindurch.

Ziel der Aktion war es, auf die Notwendigkeit der Schaffung einer großzügigen Bleiberechtsregelung hinzuweisen. Dazu gehören nach Meinung der Caritas die Abschaffung der Kettenduldungen und verbesserte Gesetze zur Aufnahme von Arbeit durch Flüchtlinge.

"Asyl ist ein Menschenrecht jenseits aller politischen Positionen." Diesen Satz brachte Herbert Schmalstieg mit, der scheidende Oberbürgermeister von Hannover. Dieser Satz war alle Mühe wert. Es gibt Momente, da tritt die Parteipolitik zurück. Solche Momente haben wir während der Lesung gleich mehrfach erlebt.

24 Stunden sind lang. Aber mit dem Bericht in den Abendnachrichten konnten wir sagen: Wir haben eine große Öffentlichkeit erreicht. Stellvertretend für die betroffenen Menschen, die auf eine Bleiberechtsregelung warten. Denn ihre Stimme ist leise.

Fazit: Es zählt nicht nur die Größe einer Aktion. Die Öffentlichkeit hat auch ein Gespür für Ausdauer, Geduld und leise Töne.

Ihr
Heribert Schlensok
Referent für Öffentlichkeitsarbeit