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In Passau angekommen. Auch angenommen?
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Familie Israpilova ist dem Bürgerkrieg in Tschetschenien entkommen und baut sich hier ein neues Leben auf
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13 Jahre lang haben Rosa Israpilova und ihre Familie an dem kleinen Haus in der Nähe von Grosny in Tschetschenien gebaut.
Jede freie Minute, jeder Groschen wurde investiert. Der Verputz ist noch nicht trocken, da schlagen russische Granaten ein;
Tschetschenien befindet sich wieder einmal im Kriegszustand. Rosas Ehemann wird gleich beim ersten Angriff verwundet und verschleppt,
das Haus- und damit die Zukunft der Familie- total zerstört, Familienmitglieder werden verwundet oder getötet. Rosa entkommt
mit ihren drei Kindern und findet vorübergehend Unterschlupf bei Verwandten. Die Kinder, Tochter Leana, damals 19, Ismail,
13 und beim Angriff verwundet, und der vierjährige Abseil, sind verängstigt und traumatisiert.
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Aus Angst um ihre Kinder entschließt sich Rosa schweren Herzens, die Heimat zu verlassen. Mit dem letzten Geld und dem, was
sie auf dem Leib tragen, gelingt der kleinen Familie die Flucht aus Tschetschenien.
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In Containern, illegal. Der Vierjährige bekommt Schlaftabletten, damit er ruhig bleibt und die Flüchtenden nicht durch Geräusche
verrät. Sechs unerträglich lange Tage dauert die Fahrt quer durch den Kontinent. Dass sie in Deutschland gelandet sind, erfahren
die Israpilovas erst, als sie in Hamburg an Land gebracht werden. Über Aufnahme-Einrichtungen in Würzburg, Zwiesel und Dingolfing
kommt die Familie schließlich nach Passau. Auch hier wieder in ein Übergangswohnheim, für 24 Monate.
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Odyssee dauerte acht Jahre
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Acht lange Jahre dauert diese Odyssee, lebt die Familie auf engstem Raum, ohne Privatsphäre, oft mit anderen Asylsuchenden
zusammen. Eine Küche, die mit zig anderen Migranten geteilt werden muss, genauso wie die Toilette oder der Duschraum. Ein
Leben in der ständigen Angst, doch noch abgeschoben zu werden. Sprach- und Integrationsprobleme machen das Leben in Deutschland
nicht einfacher. Quälende Sorgen um den Ehemann und um die in Tschetschenien zurückgelassenen Eltern und Verwandten auch nicht.
Bis heute weiß sie nicht, was aus ihrem Mann geworden ist. Ist er tot, lebt er, hat er eine andere Familie? Dabei hat Rosa
noch Glück: Immer wieder erhält sie in Deutschland die Erlaubnis, zu arbeiten. Die ausgebildete Lehrerin hat gekellnert, in
Restaurant- Küchen ausgeholfen, alles gemacht, um nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein und ihre Familie über die Runden
zu bringen.
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| Einen Schrank für ihre Figuren und eine Wohnung für den Schrank: Auf dieses Ziel hat Rosa Israpilova hingearbeitet. |
| Foto: Helga Franke |
Seit Mai 2009 haben Rosa Israpilova und ihre Kinder jetzt endlich deutsche Pässe. Und eine eigene Wohnung. Die beiden Söhne
teilen sich ein Zimmer, die Tochter, bereits selbst junge Mami, lebt mit ihrem Mann gleich nebenan. Bei der Caritas hat Rosa
Hilfe gefunden und dort in Horst Priebe einen Ansprechpartner, der hilft, wo es nur geht, vor allem bei den Behörden und Ämtern.
Auch von "SOLWODI", einer Hilfsorganisation für Frauen in Notsituationen, wird Rosa bei ihren Anliegen unterstützt.
So weit, so gut. Aber für die 46-jährige Rosa sind die Sorgen noch nicht zu Ende: Wie geht es mit den Kindern weiter? Der
ältere Sohn, inzwischen 21, bräuchte dringend Arbeit, am besten eine Ausbildungsstelle. Das ist schwierig, denn er kann keinen
Quali vorweisen und die Wirtschaftsschule hat er nicht gepackt, weil er kein Englisch spricht. Abseil besucht das Gymnasium,
er hat sich ganz gut eingelebt.
Das ist -kurz gefasst- die Geschichte, die mir Rosa Israpilova bei einem Besuch in ihrer Wohnung erzählt. Ruhig, gefasst
ist sie, aber beim Reden muss sie immer wieder innehalten, weil sie um Fassung ringt. Rosa spricht mittlerweile gut Deutsch,
sie kann sich ausdrücken, weiß, was sie will. Oder nicht will.
"Ich hatte eine glückliche Kindheit, meine Kinder nicht", sagt sie. "Aber ich möchte, dass sie in Deutschland eine Zukunft
haben, darum kämpfe ich." Überhaupt waren die letzten acht Jahre ein einziger Kampf: "Wenn ich gewusst hätte, was alles auf
mich zukommt, wäre ich lieber in Tschetschenien gestorben", zieht Rosa die Bilanz der letzten Jahre. "Die erste Zeit war besonders
schlimm, ich habe in meiner Verzweiflung zwei Wochen lang nur geweint. Nur meine Kinder haben mich vor dem Schlimmsten bewahrt."
Dabei hat sich Rosa nie etwas vorgemacht. "Ich habe gewusst, dass es nicht leicht sein würde, irgendwo in der Fremde ein neues
Leben zu beginnen. Aber dass es so schlimm sein würde, hätte ich nicht geglaubt." Aber Rosa will nicht jammern, sie will in
die Zukunft schauen. Arbeiten möchte sie, am liebsten als Dolmetscherin oder Lehrerin, aber ihre Berufsausbildung wird in
Deutschland nicht anerkannt. Oder ein kleines Lokal betreiben, das würde ihr gefallen. Derzeit besucht sie einen Integrationskurs.
Sie tut alles, um nicht dem Staat auf der Tasche zu liegen.
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In Passau angenommen
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"In Passau habe ich mich erstmals wohlgefühlt, auch im Asylantenheim. Hier hatte ich das Gefühl, dass wir angenommen werden
und angekommen sind. Passau ist das Beste, was ich in den letzten acht Jahren erlebt habe. Seit wir eine eigene Wohnung und
wieder eine Privatsphäre haben, ist alles viel besser", erzählt Rosa, der man anmerkt, dass sie stolz ist auf das Erreichte.
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Die Wohnung ist noch spärlich eingerichtet, aber blitzsauber. Mein Blick fällt auf den dunklen Glasschrank, der mit Gläsern,
Nippes und einigen Porzellan- Teilen gefüllt ist. "Stammt alles vom Flohmarkt", sagt Rosa, als sie es bemerkt. Dann holt sie
für mich zwei bemalte Figuren aus dem Schrank: "Die habe ich mir vor Jahren auch auf dem Flohmarkt gekauft. Meine Kinder haben
gesagt: Bist du bescheuert? Wir haben nur noch 60 Euro zum Leben und du kaufst diese Dinger! Aber für mich waren diese Figuren
einfach wie ein Symbol. Ich habe mir immer vorgesagt, dass ich einmal eine Wohnung und einen Schrank dazu haben werde, in
den ich die Sachen stellen kann. Auf dieses Ziel habe ich hingearbeitet und es erreicht. Es war so wichtig für mich. Ich weiß
nicht, ob Sie mich verstehen." Doch, das kann ich durchaus verstehen. Rosa deutet auf die langen hellen Vorhänge, die sie
angebracht hat. "Diese Vorhänge habe ich für unser Haus in Grosny genäht. Aber zum Aufhängen ist es nicht mehr gekommen. Meine
Mutter hat sie für mich aufgehoben und sie mir vor kurzem geschickt. Diese Vorhänge sind ein Stück alte Heimat für mich.&ldquo"
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Ob sie wieder zurück möchte nach Grosny? "Nein. Es ist nichts mehr, wie es vor dem Krieg war. Ich kann und will meine Kinder,
die hier mehr oder weniger aufgewachsen sind, nicht noch einmal entwurzeln. Sie sollen endlich leben."
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Helga Franke
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