Sozialcourage - Das Magazin für soziales Handeln - Haut ab nach Deutschland

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Passau
Editorial
In Passau angekommen. Auch angenommen?
Haut ab nach Deutschland
Unvergessliche Umarmung

"Haut ab nach Deutschland"

Lydia Weber ist Deutsche und 1938 in Kischmischi, Russland, geboren. Zusammen mit einem Bruder lebt sie allein mit der Mutter, denn der Vater wird zwei Wochen vor ihrer Geburt verschleppt und kehrt erst zehn Jahre später zur Familie zurück.

Die Lydia mit Mann und Mutter:
Die Lydia mit Mann und Mutter:
Foto: privat

17- jährig heiratet Lydia Adolf Lizenberger. 1960 zieht das Paar, das mittlerweile vier Kinder hat, nach Ufa. Dort gibt es kaum Deutsche, dafür aber Tataren, Waschkiren. "De ham immer gschimpft- was tut ihr unser Brot essen, haut ab nach Deutschland", erinnert sich Lydia Lizenberger. Die Kinder wurden als "Adolfowitsche" beschimpft und schikaniert. Weil er Deutscher war, durfte Adolf nicht Lokführer werden. Das Leben war am End´ recht schlecht: Die Kinder mussten hart arbeiten und bekamen kaum Geld dafür. Lydia und ihr Mann mussten von ihrer kargen Rente zuschießen. 1995 war die Familie die Schikanen leid und zog nach Deutschland. "Ich war satt mit der Schimpferei, also gehe ich nach Deutschland und werde da glicklich sei. Ich war froh, sind wir 20 Menscha zusammen fortgfahren- ich lasse kann anziges Kind in Russland, so dass mein Herz in Ruhe bleibt", schildert Lydia die Lage. Und: "Der Staat hat es uns gemacht leicht, es gab keine Probleme bei der Ausreise."

"Wa ma in Deutschland komma san, hamma alle in Sprachkurs geha müssen", sagt die alte Dame. Eingliederungshilfe gab es vom Arbeitsamt nur unter dieser Bedingung. Aber gleich danach haben alle Kinder Arbeit gefunden.

In der Zwischenzeit haben alle Söhne in Landau ein eigenes Haus. Beim jüngsten ist Lydia mit ihrem Mann und der Mutter, die 95 ist, eingezogen. Elf Enkelkinder haben Lydia und Adolf, aus allen ist "was geworden".

"Ich fühl mich hier wohl, hab ein Dach über dem Kopf, Besseres brauch ich net", meint Lydia. Sie kommt jeden Montag und Mittwoch zur Caritas Landau. Dort managt sie ehrenamtlich das "Montagsessen", eine Integrationsmaßnahme der Caritas. Der Mittwoch gehört der Kleiderkammer, wo sie auch ehrenamtlich tätig ist und alles bestens im Griff hat.