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| Im Lager |
| Foto: Olaf Nils Dube |
Bis Ende letzten Jahres mussten hierfür alle Teile quer durch Oranienburg vom Gewerbegebiet bis zum Hauptstandort der Caritas
transportiert werden. "Das war natürlich extrem kosten- und zeitaufwändig", berichtet Christoph Lau, der die Werkstatt in
Oranienburg leitet. "Lange suchten wir nach einer besseren Lösung. Nicht zuletzt vom Kooperationspartner kam der Wunsch, für
eine flexiblere Zusammenarbeit räumlich näher zu rücken", so Lau. Eine Erweiterung stand ohnehin an. Da ergab sich vor ca.
drei Jahren schließlich die erhoffte Gelegenheit, ein Gelände in direkter Nachbarschaft der Firma Friesen zu erwerben. Nach
aufwändigen Bohrungen im Erdreich, bedingt durch das nahe Zwangsarbeiterlager, Bau- und Umbaumaßnahmen und schließlich der
Prüfung und Anerkennung als Werkstatt für behinderte Menschen war es Ende November 2009 soweit. Das Werkstattgebäude mit 60
Arbeitsplätzen, ein Gebäudeteil für factor C, ein Arbeits- und Betreuungsangebot für etwa 40 psychisch erkrankte Menschen
sowie eine Kantine konnten eingeweiht werden. "Letztere hat sich schon jetzt als Wohnzimmer im Gewerbegebiet Nord etabliert",freut
sich Lau.
Unterdessen wird in der Werkstatt eine neue Ladung defekter Anlasser zerlegt. Jeder Arbeitsschritt hat seinen Arbeitsplatz,
vier bis fünf Positionen sind auf einer Bahn zusammengefasst. Vier Bahnen bearbeiten so in der Halle jeweils eine bestimmte
Charge. "Auf Platz eins in der Bahn zu arbeiten, das wollen die meisten", erzählt Marcel Teichmann (31), seit 2007 Gruppenleiter
in der Werkstatt und für die Koordinierung der Einzelaufträge und pädagogische und fachliche Anleitung der Mitarbeiter zuständig.
Der erste Platz in der Bahn gibt das Arbeitstempo vor, legt fest, was zerlegt wird und ist für die Kontrolle, Sauberkeit und
die Ordnung des Werkzeugs zuständig. "Da herrscht ein richtiger Ehrgeiz, auch mal auf Platz eins zu kommen, aber auch zwischen
den Bahnen, wer am Ende mehr Bauteile zerlegt hat", erklärt Teichmann. Um 7.50 Uhr geht es morgens los. Gut die Hälfte nutzt selbständig den normalen Linienbus, im Sommer das Fahrrad, um zur Arbeit
zu kommen. Die andere Hälfte bringt ein Fahrdienst. Ein Morgenkreis gibt wichtige Informationen für den Tag weiter. Wer ist
krank. Welche Aufträge stehen an oder welche Probleme gab es. Mit vier kurzen Pausen geht es bis 15.30 Uhr. Eine 36-Stunden-Woche.
Hinzu kommt die individuelle Betreuung und Förderung jedes Mitarbeiters. "Mit jedem Einzelnen wird ein Förderplan ausgearbeitet",
so Teichmann. Über eine Selbsteinschätzung und Einschätzung durch den Gruppenleiter sowie monatliche Dokumentation werden
individuelle Ziele festgelegt. "Das kann z.B. die Pünktlichkeit betreffen, oder die Sorgfalt bei der Arbeit bis hin zur Vereinbarung,
auf ein gepflegtes Äußeres zu achten." Über fünf Stufen könnten sich die Mitarbeiter so auch einen Gehaltszuschuss verdienen.
"Doch meist braucht es diese Motivation gar nicht. Eher muss ich darauf achten, dass die Pausen eingehalten werden". Häufig
würden die Beschäftigten schon früher aus der Pause erscheinen oder erst gar nicht gehen wollen. "Da hilft manchmal nur, den
Drucklufthahn zuzudrehen", sagt Teichmann, stolz auf seine Leute.
Es ist diese hohe Motivation, Begeisterung und Sorgfalt bei der Arbeit, die auf Seiten des Kooperationspartners, der Firma
Friesen, so geschätzt wird. "Mit welcher Verantwortung und mit welchem Elan diese Menschen ihre Arbeit tun, das ist etwas,
was mich persönlich beeindruckt, und was auch für unsere eigenen Mitarbeiter eine Bereicherung ist", sagt so auch Fahri Özcan,
Werksleiter des Oranienburger Friesen-Standorts. "Natürlich gab es vor Beginn der Zusammenarbeit Vorbehalte unter unseren
Mitarbeitern", erinnert sich Özcan. "Die können doch nix, wurde da auf den Betriebsversammlungen geäußert." Verständigungsprobleme
wurden befürchtet und zahllose Fehler bei der Arbeit. "Aber nichts von dem trat ein. Ganz im Gegenteil, das Betriebsklima
und Verhältnis zu den neuen Kollegen hat sich sehr positiv entwickelt", sagt Özcan. Hand in Hand würden so beide Seiten von
der Zusammenarbeit profitieren.
Mit diesen positiven Erfahrungen soll die Zusammenarbeit denn auch weiter wachsen. "Unser Altteillager kommt schon jetzt ohne
die Caritas nicht mehr aus", sagt Özcan. Ganze Teilbereiche sollen an die Caritas-Werkstatt vergeben und so weitere Werkstatt-Mitarbeiter
vor Ort integriert werden. Angedacht sind das Neulager, aber auch Hilfe beim Versand und der Verpackung. Einer, der aus der
Caritas-Werkstatt kommend in einen der neuen Bereich bei Friesen vorstoßen wird, ist Adolph Kay (22). "Früher habe ich auch
im Altteillager gearbeitet. Seit Januar bin ich in der Produktion beschäftigt, bei der Vorzusammenstellung der einzelnen Bauteile",
berichtet er stolz. "Das ist jedes Mal eine Herausforderung." Aber man gewinne Erfahrung, und das mache Spaß. "Und das Schönste
dabei ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen von Friesen." Auch Frank Schmidt wird demnächst eine neue Aufgabe übernehmen.
"Man lernt immer dazu", sagt er, und freut sich auf das Neuteilelager, in dem er bald arbeiten wird. Längst hat er in seinem
bisherigen Bereich Kollegen aus der Caritas-Werkstatt angelernt, die seine alte Position übernehmen. Es ist diese schrittweise
und behutsame Integration, die auch den größten Erfolg möglich machen könnte, den Wechsel in den ,normalen Arbeitsmarkt. "Und
das erscheint für Einzelne gar nicht so unrealistisch", freut sich Lau.
Autor : Olaf Nils Dube
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