Sozialcourage - Das Magazin für soziales Handeln - Editorial

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Editorial
Kinderoper selbstgemacht
"Plötzlich stand ich ohne Geld da" - Jugendmigrationsdienst der Caritas hilft bei der Integration
Fest für Menschen mit grossem Herzen
„Ich kann doch meinen Bruder nicht im Stich lassen" - Keine Arbeit, kein Geld: Das Patenschaftsprojekt der Caritas für Migranten hilft in ausweglosen Situationen.
„Mein Sohn – Gewalttätig?" Wie die interkulturelle Sichtweise Beratungsarbeit verändert
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Liebe Leserin, lieber Leser,

Peter Botzian
Peter Botzian

mit der Aufstellung eines "nationalen Integrationsplans" im Jahr 2007, der als Gemeinschaftswerk zwischen Staat (Bund und Länder), zivilgesellschaftlichen Organisationen und Akteuren und migrantischen Interessensverteter/innen angelegt ist, soll Integration als Schlüsselaufgabe für die ganze Gesellschaft verstanden und gefördert werden.
Das Bundesjugendkuratorium stellt jedoch fest, dass der Integrationsdiskurs in Deutschland stark auf eine Defizitperspektive hin verengt ist, in der die Merkmale "mit Migrationshintergrund" und "hilfebedürftig" gleichgesetzt werden. Dass eine solche Defizitsicht auf Migrantinnen und Migranten in unserer Gesellschaft mittlerweile umstritten, jedoch noch immer weit verbreitet ist, belegen nicht nur die jüngst veröffentlichten herablassenden Äußerungen Thilo Sarrazins, ehemaliger Finanzsenator im Berliner Senat, über Migrantengruppen, sondern insbesondere auch die öffentlichen Reaktionen darauf, in denen Empörung und Verständnis zu gleichen Teilen sichtbar werden.

Hieran wird beispielhaft deutlich, dass der gesellschaftliche Integrationsprozess keine Einbahnstraße ist und eben auch Ansprüche an die autochthone (einheimische) deutsche Bevölkerung stellt. Im Hinblick auf den Wandel des öffentlichen Klimas müssen Integrationsmaßnahmen Begegnungs- und Gemeinwesenaktivitäten sowie eine Öffentlichkeitsarbeit fördern, die nicht nur Migrantinnen und Migranten, sondern auch die einheimische Bevölkerung als Zielgruppe im Blick haben. Denn nur in einem mehrseitigen Verständigungsund Aushandlungsprozess kann eine partizipative gesellschaftliche Integration ermöglicht werden.

Die Caritas Migrationsdienste mit ihren hervorragenden Zugängen zu den verschiedenen ethnischen Gruppen der Zuwanderungsbevölkerung und ihren Fachkräften, die über große interkulturelle Kompetenzen verfügen, stehen in diesem Prozess anwaltschaftlich für die Veränderung des Blicks auf Migrantinnen und Migranten ein.

Sie können als Impulsgeber einer partizipativen Integration fungieren und Räume schaffen, in denen Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte ermöglicht und starre Fremdbilder korrigiert werden können.

PETER BOTZIAN

 
Der irakische Caritas-Präsident Nabil Nissan (Mitte li.) und Erzbischof Jean Sleimann (Mitte re.)
Der irakische Caritas-Präsident Nabil Nissan (Mitte li.) und Erzbischof Jean Sleimann (Mitte re.) aus Bagdad mit einer Delegation von Caritas International zu Besuch im Caritas-Migrationszentrum in Berlin-Marienfelde