|
|
| |
 |
| Vertreter der Jugendhilfe tagten in Burgstädt |
|
|
|
|
|
|
Freie Fahrt für freie Träger
|
|
|
Die freien Träger sind unverzichtbar für die Jugendhilfe in Deutschland. Das war das Credo der 2. Fachtagung Jugendhilfe,
die am 12. Mai im Don Bosco Jugendwerk in Burgstädt stattfand.
|
|
|
Rund 120 Vertreter aus den Diensten und Einrichtungen der Jugendhilfe im Bistum Dresden-Meißen sind gekommen, um über die
Zukunft der Jugendsozialarbeit nachzudenken. Zu der Veranstaltung haben die Katholische Jugendsozialarbeit in Sachsen, der
Diözesancaritasverband Dresden-Meißen sowie das Don Bosco-Jugendwerk eingeladen. Ohne die freien Träger der Jugendhilfe kommt
der Staat nicht aus, sagt Regina Mannel, Abteilungsleiterin im Sächsischen Sozialministerium. "Freie Träger sind willkommen".
Ihr Stellenwert sei bundesrechtlich beschrieben. Die Wahrung der Aufgaben freier Träger sei zudem Ausdruck des Subsidiaritätsprinzips.
"Sie sind die wichtigste Adressaten für die Zuwendungen des Freistaates", betonte Regina Mannel. Dennoch sei jeder Euro, der
für die Jugendhilfe zur Verfügung gestellt werde, "hart verhandelt". Um jedoch die Trägervielfalt zu gewährleisten, seien
Netzwerke und Kommunikation nötig. Dabei hätte die Stimme der freien Träger ein starkes Gewicht - besonders wegen ihrer qualitativ
guten Arbeit. Nach der Wende, so Mannel, mussten die Srukturen der Jugendhilfe in der ehemaligen DDR neu aufgebaut werden.
In Sachsen entwickelte sich eine "beachtliche Zahl" von freien Anbietern der Jugendhilfe. Entstanden sei eine Kinder- und
Jugendhilfelandschaft, die sich im Vergleich mit andern Bundesländern "durchaus sehen lassen kann". Der Freistaat sehe die
grundsätzliche Bedeutung der freien Träger im sozialstaatlichen Gefüge. Das heißt "so wenig öffentliche Hand wie möglich,
so viel öffentliche Hand wie nötig." Der Staat müsse deshalb weiterhin eine ausgewogene Trägerstruktur im Blick behalten.
|
|
|
Jugendhilfe ist kein Straßenbau
|
|
|
Dennoch: Die freien Träger sind in der Klemme, meint Professor Wiesner, Referatsleiter Kinder- und Jugendhilfe im Bundessozialministerium.
Anders als öffentliche Akteure der Jugendhilfe entscheiden sie selbst über ihre Aktivitäten. Zwar sei die Stellung der freien
Träger in der Gesetzgebung geregelt, diese "Verrechtlichung sozialer Arbeit" ziehe jedoch eine immer größere Regulierung nach
sich. Die Zukunft der freien Träger entscheide sich daran, inwieweit sie ihr Profil schärfen können sowie an der Fähigkeit,
flexibel auf Veränderungen der "Bedarfe" zu reagieren. Sie seien aber unverzichtbar, weil sie "Garanten der Vielfalt" sind.
"Das ist etwas anderes als die Konkurrenz im Straßenbau. In unserem Staat gibt es keine Einheitserziehung, Eltern brauchen
Wahlmöglichkeiten." Der Staat müsse die Rahmenbedingungen schaffen, dass sich diese Vielfalt entwickeln könne. Freie Träger
seien zudem Plattform gesellschaftlichen Engagements als "Sauerteig" des pluralen Systems. Manche Krise in den Einrichtungen
der Jugendhilfe könnte heute als Chance begriffen werden, meint Olav Schwarz, Pädagoge, Verhaltens- und Gesprächstherapeut,
der einen von sechs Workshops leitete, in denen sich die Teilnehmer unter anderem mit Fragen der Bedeutung von Netzwerken,
der Finanzierung von Einrichtungen der Jugendhilfe sowie Qualitätsstandards beschäftigten. Wichtig sei es, so Schwarz, nicht
in den Chor des Untergangs einzustimmen, sondern positive Haltungen zu entwickeln. Auf dem "Markt der Angebote" gelte es,
qualitative und innovative Projekte zu entwickeln, die "mich als Anbieter" unverwechselbar machen. Hier liege die besondere
Chance der freien Träger.
|
|
|
Andreas Schuppert
|
|
|
|