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Pionierarbeit
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Heinrich Schurad aus Unna engagiert sich für Menschen mit Behinderung im Kosovo
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Heinrich Schurad (72) aus Unna- Hemmerde geht als pensionierter Lehrer einem ungewöhnlichen Ehrenamt nach: Er engagiert sich
seit fast zehn Jahren im Auftrag des Hilfswerkes Caritas international für gehörlose Kinder und Jugendliche im Kosovo. Schon
27 Mal war der ehemalige Leiter einer Förderschule in dem Balkanland, um als Konzeptbegleiter den Aufbau der einzigen Gehörlosenschule
und weiterer Förderprojekte voranzubringen.
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| Pionierarbeit der Behindertenhilfe im Kosovo leistet seit fast zehn Jahren Heinrich Schurad aus Unna. Ehrenamtlich begleitet
er u. a. den Aufbau der einzigen Gehörlosenschule des Landes.
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| Foto: Sauer |
Ein mühsames Unterfangen, denn die Förderung und Integration von Menschen mit Behinderungen sind im Kosovo absolute Fremdwörter.
"Behinderte Menschen stehen auf der untersten gesellschaftlichen Stufe", weiß Schurad und berichtet von Besuchen in Familien,
die ihre behinderten Angehörigen vor der Öffentlichkeit verstecken und vor sich hinvegetieren lassen. Auch in den wenigen
christlichen Gemeinden -nur drei Prozent der zwei Millionen Kosovaren sind katholisch- sei es nur ganz schwer zu vermitteln,
dass Behinderung keinen Makel darstellt. Hilfsmittel für Betroffene wie etwa Hörgeräte können sich nur wenige leisten. Krankenkassen
gibt es nicht.
Neben den gesellschaftlichen und staatlichen Hindernissen hatte Heinrich Schurad von Anfang an mit den Hürden des Schulprojektes
zu kämpfen. Die alte, aus jugoslawischer Zeit stammende Schule in Prizren war nicht nur baulich marode. Als die UN- Verwaltung
im Jahr 2001 Caritas international beauftragte, dort den Aufbau der einzigen Schule für albanisch sprechende Kinder im Kosovo
zu begleiten, begann ein Kampf gegen Missmanagement, Korruption und anderen Problemen. In den ersten Jahren wechselten die
Rektoren der staatlichen "Mutter- Teresa- Gehörlosenschule" fast jedes halbe Jahr. "Die Problematik der Schule ist die Problematik
ihrer Lehrer", sagt Heinrich Schurad. Die Lehrkräfte seien in Förderpädagogik nicht ausgebildet, beherrschten die Zeichensprache
nicht. Zudem sind die Gehälter mit rund 220 Euro so karg, dass die meisten nachmittags noch einem Nebenjob nachgingen, um
ihre Familien durchzubringen.
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| Immer noch werden im Kosovo Behinderungen als Makel empfunden, Förderung und Integration sind noch Fremdwörter. |
| Foto: Caritas international |
Nach der Renovierung von Schule und Internat ging es folgerichtig an die Förderung des pädagogischen Personals. Fortbildungen
in Deutschland waren nur zum Teil erfolgreich, die strukturellen Probleme wie schlechte Bezahlung und fehlende Motivation
blieben. Die aus dem Ausland stammenden Fördermaterialen wurden kaum genutzt. Die Beratung durch Heinrich Schurad gestaltete
sich mühsam und ist bis heute vom Wohlwollen der jeweiligen Schulleitung abhängig. Doch es gibt auch Erfolge. So konnte eine
Schulwerkstatt eingerichtet werden, für die sich ein pensionierter Lehrer ehrenamtlich engagiert. Hier werden Holzprodukte
wie Spielzeug hergestellt.
Vor sechs Jahren wurde die Schule um einen integrativen Kindergarten erweitert. Das pädagogische Personal wurde auch in Nordkirchen
auf ihre Aufgabe vorbereitet. Stolz ist Schurad darauf, dass es in der katholischen Kirchengemeinde in Prizren gelungen ist,
eine Gruppe von jungen Caritas- Ehrenamtlichen zu bilden, die sich mit zusätzlichen Förderangeboten für die behinderten Kinder
engagiert. Im Obergeschoss des Kindergarten wurde ein Hörgeräte- Labor eingerichtet. Für die Beschaffung der Materialien konnte
Heinrich Schurad auf Hilfe aus der Heimat bauen. So sammelte zunächst der Lions- Club Fröndenberg- Menden und später ein Fachgeschäft
in Unna gebrauchte Hörgeräte. In einem Schnell- Lehrgang wurde der Leiter des Caritas-Büros in Prizren, Orhan Miftari, mit
der Anpassung von Hörgeräten und der Messung von Hörbehinderungen vertraut gemacht.
Was mit dem Aufbau einer maroden Schule begann, zieht immer weitere Kreise. Projekte wie Förderangebote für geistig und mehrfach
behinderte Kinder sowie der Ausbau der Freiwilligenarbeit in den katholischen Gemeinden stehen bei Heinrich Schurad noch auf
der Agenda. "Nur das Alter setzt Grenzen für die Zukunft", heißt es fast ein wenig bedauerlich.
Jürgen Sauer
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