Sozialcourage - Das Magazin für soziales Handeln - Wie gelingt Gesellschaft im Miteinander?

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Foto: privat

Interview mit Dr. Thorsten Hinz, dem neuen Geschäftsführer der CBP Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie

Wie gelingt Gesellschaft im Miteinander?

Was war Ihre Motivation, sich für die Stelle des Geschäftsführers der CBP Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie zu bewerben?

Seit den vergangenen sechs Jahren, in denen ich für die Caritas- vor allem für Caritas international- tätig bin, habe ich auch immer sehr aufmerksam die vielfältige CBP- Arbeit verfolgt. Der CBP- Verband verkörpert für mich in fast idealer Weise die Idee einer modernen Caritasrichtung- die Verbindungssuche von Ethik, Vision und Pragmatismus.

Hier kulminieren die entscheidenden Fragen sowohl der Caritas als auch der Gesellschaft. Ich nenne einige: Wie gelingt es der Caritas, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Problemlagen bei deren gesellschaftlicher Teilhabe zu unterstützen? Wie gelingt Gesellschaft im Miteinander aller sozialen Gruppen? Welche Art von Balance und Arbeiten verlangt die Moderne, um ein an Werten orientiertes und nachhaltiges Eintreten für benachteiligte Menschen zu gewährleisten? Wo sind die Räume sowohl selbstbestimmten Handelns als auch Denkens?  


Was glauben Sie, sind die Stärken des Fachverbandes Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie?


Der CBP Fachverband versteht es bislang sehr gut, die Spannungen, die zwischen Rahmenbedingungen, Unternehmensfragen, Fachlichkeit, Auftrag der Kirche und Anwaltschaft bestehen, kreativ und konstruktiv auszuloten. Die CBP- Mitgliedseinrichtungen mit ihren je unterschiedlichen Herausforderungen schätzen diese Lotsenfunktion und finden in dieser Orientierung und Selbstvergewisserung. Eine weitere Stärke sehe ich in den bestehenden Gremien, Arbeitsgruppen, Fachbeiräten und anderen Organen, die es alle verstehen, Foren des Dialogs und Austauschs zu sein. Das Wir-Gefühl innerhalb der CBP lebt von diesem kritischen und selbstreflexiven Miteinander.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Einrichtungen und Dienste der Behindertenhilfe aktuell?

Die Herausforderungen sind überaus komplex und vielfältig. Ich beschränke mich auf eine sehr grundsätzliche. Die bereits erfolgten wie auch die künftig drohenden Kürzungen im Sozialsektor machen vielen Einrichtungen und Trägern zu Recht Sorge. In diesen Auseinandersetzungen stehen schon heute viele mit dem Rücken an der Wand. Qualität, Auftrag und Anspruch sind von solcherlei zunehmend gefährdet. Die CBP- Mitglieder erwarten deshalb berechtigte Unterstützung durch den Fachverband, sowohl praktisch als auch in den Bereichen Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.

In diesem Zusammenhang ist auch die UN-Behindertenrechtskonvention zu sehen. Sosehr die Ratifizierung derselben eine neue Dekade im Sinne der rechtlichen Selbstverständlichkeit eingeleitet hat, so ist doch abzusehen, dass die Umsetzung und Realisierung aus staatlicher Sicht schwierig sein wird. Hier muss der CBP sehr genau aufpassen und mitwirken, dass dies nicht auf Kosten der Träger und Einrichtungen und vor allem nicht auf Kosten der Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen gehen wird.

Mit welchen Wünschen und Visionen gehen Sie die neue Aufgabe an? 

Ich wünsche mir von meinen Gesprächs- und Kooperationspartnern Offenheit und Dialogbereitschaft. Ich freue mich auf ein gemeinsames Lernen und Wachsen, auf das Ringen um die besten und richtigen Antworten. Innerhalb des Verbandes mit fast 1000 Mitgliedern geht es mir vor allem um die Stärkung der CBP- Identität, um das stetige Besinnen auf ein grundlegendes Wir-Gefühl.

Interview: Alfred Hovestädt