Sozialcourage - Das Magazin für soziales Handeln - Editorial

www.sozialcourage.caritas.de
Hamburg
Editorial
Kultursensibel pflegen
„An der nächsten Treppe biegen Sie bitte rechts ab…“
Beratung, Betreuung und Begegnung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

anlässlich des "Welttages des Migranten und Flüchtlings" hat Caritas International am 1. Oktober 2009 eine Presserklärung mit der Überschrift "Migration unterstützt Armutsbekämpfung" herausgegeben und dabei unter anderem darauf hingewiesen, dass die Geldüberweisungen von Auswanderern in ihre Herkunftsländer deutlich den Betrag übersteigen, der weltweit für Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellt wird.

Norbert Schmitz, Sozialreferent des Caritasverbands für Schleswig-Holstein e.V.
Norbert Schmitz, Sozialreferent des Caritasverbands für Schleswig-Holstein e.V.

Hier taucht Migration einmal in einem völlig anderen Zusammenhang auf. Bei uns werden Migrantinnen und Migranten viel zu oft nur damit im Zusammenhang gesehen, dass hier Menschen leben, die sich integrieren müssen (also Defizite gegenüber der einheimischen Bevölkerung haben), von denen viele in sozialen Brennpunkten leben und deren Kinder oft schlechte Schulabschlüsse erreichen.

Unter dem Titel &bdquoMiteinander leben&ldquo hat Caritas Perspektiven einer Migrations- und Integrationspolitik aufgezeigt. Darin werden zum Beispiel Verpflichtungen über Grenzen hinweg beschrieben, die uns dazu ermahnen, auch die Ursachen und Auswirkungen von Migration als weltweiter Bewegung zu sehen. Kaum jemand wandert ohne triftigen Grund in einen anderen Kulturkreis aus, und er kommt dort mit einer Vielzahl von Ressourcen und Erfahrungen an.

In unserem heutigen Integrationsverständnis müssen die Chancen einer gelungenen Integration im Vordergrund stehen. Diese wird mit Werten wie Bereicherung, Chancengleichheit, Partizipation, gegenseitiger Anerkennung belegt. Und: Integration ist ein gesellschaftlicher Prozess, der alle Lebensbereiche betrifft.

Vor allen in den Kommunen wurde hier in den letzten Jahren ein Perspektivwechsel vollzogen, der Integration als Aufgabe von Zugewanderten, Einheimischen und hiesigen Institutionen begreift. Die Solidarität mit Fremden und die Begegnung mit anderen Kulturen sind Kernbestandteile der christlichen Identität. Wir sind hier als Kirche und Caritas aufgefordert, uns an den kommunalen Integrationsprozessen aktiv zu beteiligen. 

Norbert Schmitz