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Ökologischer Apfelsaft aus dem St. Martin Caritas Hilfeverbund

Ökologischer Apfelsaft aus dem St. Martin Caritas Hilfeverbund

Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird in Eilenburg ökologische Nachhaltigkeit nahegebracht. So entsteht einmal im Jahr ein leckerer Apfelsaft

Der St. Martin Caritas Hilfeverbund bietet seit 1994 im Landkreis Nordsachsen, insbesondere in der Region des Altkreises Delitzsch, ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen zur Erziehung, schulische Erziehungshilfe sowie Ausbildung und Beschäftigung an.

Zentraler Standort ist die denkmalgeschützte Anlage in Eilenburg an der Rödgener Landstraße. Diese wurde 1928 von der Provinz Sachsen als "Erziehungsanstalt für Mädchen" gebaut. Angeregt von den reformpädagogischen Ideen der damaligen Zeit entstand auf 12 Hektar eine komplex angeordnete Wohnanlage mit einzelnen Gebäuden und einem Gutshof, der mit seiner Landwirtschaft bis weit in die 80er Jahre mit zur Versorgung des Heimes beigetragen hat. Die Einrichtung war über die Zeit immer Kinder- und Jugendheim und damit als Ganzes, in ihrer inhaltlichen Ausrichtung und baulichen Erscheinungsform, geprägt von den jeweiligen politischen Gegebenheiten.

Der St. Martin Caritas Hilfeverbund ist ein Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sich aufgrund unterschiedlicher belastender Situationen in ihrer bisherigen Biografie wieder neu zu orientieren und in Zukunft wieder eigenständig und selbstständig zu leben. Zur Orientierung dafür gehört für uns als christliche Einrichtung auch das Ziel &bdquoder Bewahrung der Schöpfung&ldquo. Auf diesem Hintergrund sollen die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auch in ihrem direkten Lebens- und Betreuungsfeld Ansätze von ökologischer Nachhaltigkeit sehen, erleben und daran mitgestalten, d. h. Natur und Umwelt für die nachfolgende Generation erhalten, die Pflege von Landschaftsräumen in ihrer ursprünglichen Gestaltung, ein schonender Umgang mit der natürlichen Umgebung und der Erhalt der Artenvielfalt.

Nachhaltigkeit und Naturschutz hautnah erfahren

Mit der Trägerübernahme durch die Caritas wurden umfangreiche bauliche Sanierungen, die absolute Priorität hatten, realisiert. Das die Gebäude umgebende großzügige Gelände mit Wiesen, kleinen Wäldchen und großen naturbelassenen Hecken (z. B. Brombeersträucher) war zunächst weniger im Fokus. Erst mit dem Aufbau des Bereiches Ausbildung und Beschäftigung, Beschäftigung mit insbesondere unterschiedlichen Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit und der ARGE für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Schulabschluss, die schon über längere Zeit arbeitslos waren und sich neu orientieren sollten oder den motivierenden Maßnahmen für ältere Langzeitarbeitslose wurde begonnen, das Gelände zu hegen und zu pflegen und es unterschiedlich nutzbar zu machen.

Es war und ist deshalb zunächst vorrangiges Ziel, die weitgehend naturbelassenen Bereiche, die kleinen Wäldchen, Beerenhecken und die großen Streuobstwiesen so zu pflegen, dass sie erhalten bleiben und andere Bereiche, insbesondere die Wiesen, sehr naturnah zu nutzen. Sie werden heute sehr intensiv für das Projekt Schulgarten und das Projekt Reiten genutzt und bieten den Kindern und Jugendlichen ein vielfältiges natürliches Lernumfeld. Die kleinen Laubwäldchen mit ihrer Artenvielfalt wurden im Bestand erhalten und werden insbesondere durch die Projekte mit arbeitslosen Menschen gepflegt. Sie werden intensiv durch den Ökumenischen Kindergarten auf dem Gelände genutzt, die mit ihren Kindergruppen regelmäßige Waldwochen durchführen, in denen sie eine ganze Woche ihren Kindergarten verlassen und im Wald leben, lernen, spielen, essen, ruhen &hellip.

Die Wäldchen sind auch ganz natürliche Abenteuerspielplätze für die Kinder und Jugendlichen, die in den Wohngruppen des Kinder- und Jugendheimes auf dem Heimgelände leben.

Streuobstwiese als neues Arbeits- und Beschäftigungsfeld

Streuobstwiesenprodukte
Streuobstwiesenprodukte
Foto: St. Martin Caritas Hilfeverbund, Eilenburg

Zunächst eher vernachlässigt, liegt aber jetzt seit einiger Zeit unser besonderes Augenmerk auf der großen Streuobstwiese. Insgesamt sind die Bestände von Streuobstwiesen zurückgegangen, obwohl sie einen großen Nutzen für Mensch und Natur haben. Sie bieten eine Vielfalt von Obstsorten, sie führen uns von der Blüte bis zur Ernte mit sehr zahlreichen optischen Abwechslungen durch das Jahr, sie gehören zu den sehr artenreichen Biotoptypen und bieten eine hohe ökologische Produktqualität.

Wir haben deshalb mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unterschiedlichen Beschäftigungsmaßnahmen begonnen, unsere Streuobstwiesen wieder "gut zu pflegen". Damit bieten wir ihnen ein Arbeits- und Betätigungsfeld an, in dem sie Nachhaltigkeit und Naturschutz hautnah erfahren und sich damit auseinandersetzen können. Das beginnt schon beim schonenden Mähen der Wiesen und dem "Heu machen" für die Pferde. Insbesondere gehört dann aber die Ernte dazu, das Aufsammeln und Pflücken des Obstes.


Direktsaft als nachhaltiges Präsent

Diese werden zunächst an das Kinderheim und das Altenheim im Gelände verteilt und dort auch gerne zum Direktverzehr oder zum Backen und Kochen verwendet. Durch die Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen lassen wir aber jetzt die meisten Äpfel zu Direktsaft verwerten. Unter dem Titel "Saft von Früchten regionaler Streuobstwiesen- vergessene Vielfalt" wird der Apfelsaft in 5- Liter- Gebinde abgefüllt. Er wird über das Jahr in allen Einrichtungen des St. Martin Caritas Hilfeverbundes gerne getrunken und ist ein "nachhaltiges Präsent" für Freunde und Gäste. Aktuell sind in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband, der sich sehr intensiv für die Erhaltung der bestehenden Streuobstwiesen einsetzt, die weiteren notwendigen Schritte für unsere Streuobstwiese geplant. Im Rahmen einer neuen Maßnahme für arbeitslose junge Erwachsene soll ein Baumkataster mit Lageplan und Bestimmung der verschiedenen Apfelsorten entstehen und unsere Streuobstwiese für Baumschnitt- Seminare des Landschaftsverbandes genutzt werden.

Auch wenn unsere Bemühungen nur einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit darstellen, so können sie doch insbesondere in ihrer Wirkung auf die Kinder und Jugendlichen Anstöße geben, "behutsam" mit unserer Umwelt umzugehen.

Hans Otto Schlotmann
Einrichtungsleiter

 

Kontakt:
St. Martin Caritas Hilfeverbund
Rödgener Landstr. 16
04838 Eilenburg


Tel. (0 34 23) 68 24 - 0
E-Mail:
hans-otto.schlotmann@ctm-magdeburg.de